Tafel mit dem Kreide-Schriftzug „nachgezählt“

Wie sicher sind diese Zahlen?

Alle Zahlen zum Übertritt

Alle Zahlen in dieser Rubrik stammen aus Antworten der Bayerischen Staatsregierung auf Schriftliche Anfragen im Landtag, also aus der Amtlichen Schulstatistik. Wir haben sie aus 28 Drucksachen der Jahre 2014 bis 2026 zusammengetragen, in eine gemeinsame Arbeitsmappe gebracht (34 Tabellenblätter, rund 16.000 Datenzeilen, eine Zeile je Kreis, Jahr und Kennzahl) und mehrfach gegenlesen lassen, auch von Prüfern, die unsere Ergebnisse nicht kannten. Diese Seite erklärt, woher die Zahlen kommen, wie wir gerechnet haben, wo gleiche Wörter Verschiedenes messen und was wir aus gutem Grund nicht behaupten.

Woher die Zahlen kommen

Jede Seite nennt unten ihre Drucksachen mit Link auf das PDF des Landtags. Die Anfragen stammen überwiegend von Abgeordneten der SPD (Güll, Strohmayr, Wild, Bäumler) und der Grünen (Gehring, Zwanziger, Triebel); zwei Drucksachen zu Wiederholern und Schulabgängern gehen auf AfD-Anfragen zurück, von ihnen übernehmen wir ausschließlich die Zahlentabellen der Amtlichen Schulstatistik. Die Antworten schreibt das Kultusministerium; die Zahlen darin sind amtlich, die Fragen sind es nicht.

Die wichtigste Reihe ist eine Serienanfrage, die seit 2018 für jeden Jahrgang gestellt wurde: Eignung und tatsächlicher Übertritt je Landkreis für die 4. Klassen 2016/17 bis 2023/24 (zuletzt Drs. 19/7981, Antwort vom 27.08.2025, gedruckt am 23.10.2025). Die nächste Antwort erwarten wir im Lauf des Schuljahres 2026/27; dann tragen wir den Jahrgang 2024/25 nach. Jede Seite trägt unten ihren Datenstand.

Wie wir gerechnet haben

  • Mittel aus Jungen und Mädchen. Seit dem Jahrgang 2017/18 drucken die Drucksachen für Eignung und Übertritt keine Gesamtquote mehr, sondern nur getrennte Werte für Jungen und Mädchen. Wir zeigen das einfache Mittel aus beiden (addiert und halbiert). Am Jahrgang 2016/17, für den beides gedruckt ist, weicht dieses Mittel im Schnitt 0,1 und höchstens 0,55 Prozentpunkte vom amtlichen Gesamtwert ab.
  • Mittel der 96 Kreise. Wo die Drucksachen keinen Landeswert mehr drucken, vergleichen wir mit dem ungewichteten Mittel der 96 Kreise: Jeder Kreis zählt gleich, egal wie groß er ist. Der amtliche Landeswert ist gewichtet und liegt deshalb anders (beim Übertritt ans Gymnasium höher, weil die großen Städte hohe Quoten haben). Wo es beide gibt, stehen Kreismittel und Landeswert nebeneinander.
  • Mittelschuleignung als Rest. Die Drucksachen der Serienanfrage nennen nur Gymnasial- und Realschuleignung; die Mittelschuleignung ist bei uns der Rest auf 100 %. Sie steht in keiner der acht Drucksachen.
  • Platz und Abstand. Der Platz eines Kreises unter 96 ist aus unseren gemittelten Werten gerechnet. Weil das Mittel um bis zu gut einen halben Punkt vom wahren Wert abweichen kann, ist der Platz bei Gymnasial- und Mittelschuleignung und beim Übertritt auf etwa 3 Ränge genau, bei der Realschuleignung, wo alle Kreise dicht beieinander liegen, nur auf etwa 8.
  • Gesperrte Werte und Summen. Ein X bedeutet, dass die Drucksache den Wert nicht ausweist, weil Rückschlüsse auf einzelne Kinder möglich wären. Wir rechnen X nie als null; Summen mit X bleiben offen oder sind als Untergrenzen gekennzeichnet. Für Aussagen über Bayern nehmen wir die gedruckten Landeswerte, nicht die Summe der Kreise.
  • Rundung. Alle eigenen Werte sind kaufmännisch gerundet (0,5 wird aufgerundet) und ohne die Rundungsfehler gerechnet, die Computer bei Kommazahlen machen; Prozentwerte haben eine Nachkommastelle wie die Quellen; die Wiederholerquoten, die wir selbst aus Schüler- und Wiederholerzahlen rechnen, haben zwei, weil viele unter 1 % liegen.
  • Zusammenhang und Stabilität. Wo wir von einem Zusammenhang sprechen, steht eine Korrelation über die 96 Kreise dahinter, also eine Maßzahl dafür, wie gleichläufig zwei Größen über die Kreise sind (1 = völliger Gleichlauf, 0 = kein Zusammenhang, negative Werte = gegenläufig). Die Stabilität der Kreisunterschiede messen wir daran, ob dieselben Kreise Jahr für Jahr oben und unten liegen (Rangkorrelation) und welcher Anteil der Unterschiede zwischen den Kreisen liegt statt zwischen den Jahren. Diese Werte beschreiben Muster; sie begründen keine Ursache. Die einzige direkte Prüfmöglichkeit für unser Mittel aus Jungen und Mädchen ist der Jahrgang 2016/17, für den beides gedruckt ist.

Gleiche Wörter, verschiedene Größen

Beim Übertritt gibt es mehrere Kennzahlen, die ähnlich heißen und Verschiedenes messen. Die wichtigsten Unterschiede:

  • Eignungsquote und Übertrittsquote haben verschiedene Nenner. Die Eignungsquote der Serienanfrage ist der Anteil unter den übergetretenen Kindern mit Eignungsangabe; die Übertrittsquote ist der Anteil an allen Viertklässlern. Man darf sie nicht voneinander abziehen. Eine zweite Eignungsreihe (Drs. 18/29034, 19/3064) zählt alle Viertklässler mit Eignungsangabe und liegt fast überall etwas niedriger; wir mischen die beiden Reihen nicht.
  • Welches Jahr gemeint ist. Bei Eignung und Übertritt nennen wir das Schuljahr der 4. Klasse (2023/24 = Übertritt zum Schuljahr 2024/25); beim Schulartwechsel das Schuljahr, zu dem gewechselt wurde (Erhebungszeitraum 2. Oktober des Vorjahres bis 1. Oktober); beim Wiederholen das Schuljahr, in dem wiederholt wird. Die Drucksachen selbst beschriften unterschiedlich; wir schreiben die Konvention auf jeder Seite dazu.
  • Welcher Kreis gemeint ist. Eignung und Übertritt zählen nach dem Kreis der Grundschule; Schulartwechsel zählen nach der aufnehmenden Schule; beim Probeunterricht warnt das Ministerium selbst, eine Aufgliederung nach Kreisen sei durch „Pendelbewegungen zwischen Kreisen“ erheblich verzerrt (Drs. 18/9448). Gezählt wird also der Kreis einer Schule, nicht der Wohnort des Kindes.
  • Wechselnde Abgrenzungen. Die Fußnote der Eignungsreihe, die festlegt, welche Kinder mitgezählt werden, wurde über die acht Jahrgänge viermal geändert; die Wiederholerreihe zählt ab 2022/23 ohne Brückenklassen, ab 2024/25 ohne Deutschklassen; die Schulartwechsel 2024/25 ebenfalls ohne Deutschklassen. Vergleiche zwischen den Kreisen eines Jahrgangs sind davon nicht betroffen, Vergleiche über die Jahre nur mit Vorsicht.

Was wir bewusst nicht behaupten

  • Keine Probeunterrichtsquote je Landkreis. Die Teilnehmerzahlen je Kreis liegen vor, aber eine Quote würde mehr über Pendlerströme sagen als über Kinder (siehe oben).
  • Keine Rangliste als Wertung. Platz 1 bis 96 ordnet Zahlen; er bewertet weder Schulen noch Kreise. Rangunterschiede von wenigen Plätzen sind Messrauschen.
  • Keine Ursachen. Dass die Unterschiede zwischen den Kreisen stabil sind, ist mit jeder Erklärung verträglich (Sozialstruktur, Schulangebot, Benotungspraxis). Die Zahlen entscheiden das nicht, und wir tun es auch nicht.
  • Kein Schluss vom Übertritt auf den Abschluss. Zwischen dem Übertritt mit zehn und dem Verlassen der Schule liegen Jahre und oft mehrere Wechsel; eine Verknüpfung einzelner Kinder über die Jahre gibt es in keiner Drucksache.
  • Nichts über einzelne Kinder oder Schulen. Alle Zahlen sind Kreis-, Bezirks- oder Landeswerte.
  • Keine Corona-Erklärung. Auffällige Jahre benennen wir mit ihren Zahlen (je nach Kennzahl 2019/20 bis 2021/22), markieren sie aber nicht als Corona-Jahre; ob die Sonderregeln dahinterstehen, lässt sich aus den Drucksachen nicht belegen.

Was die Staatsregierung auf Nachfrage nicht erhebt

Wir haben alle 28 Drucksachen daraufhin gelesen, wo die Antwort eine Auskunft verweigert oder einschränkt. Das betrifft Eltern unmittelbar: Manche naheliegende Frage, etwa wie viele geeignete Kinder tatsächlich ans Gymnasium gehen, kann deshalb niemand beantworten. Das Wichtigste in der Sprache der Antworten:

  • Eignung und tatsächlicher Übertritt waren lange nicht verknüpfbar: Aus der Statistik der Übertrittszeugnisse „kann … kein Konnex zu tatsächlichen Übertritten auf Basis der Amtlichen Schuldaten hergestellt werden“ (Drs. 17/2899, 2014). Seit 2017/18 zählt die Statistik, wie viele Fünftklässler an Real- und Mittelschulen eine Gymnasialeignung hatten (Seite „Geeignet und trotzdem nicht am Gymnasium“); wie viele Kinder insgesamt die Eignung hatten, nennt sie aber nicht, und die Art des Übertritts „stellt kein Merkmal im Rahmen der Amtlichen Schulstatistik dar“ (Drs. 19/3064).
  • Probeunterricht und späterer Schulbesuch lassen sich nicht verbinden: Die Geschäftsstatistik ist „auf Individualebene nicht schuljahresübergreifend verknüpfbar“ (Drs. 18/29034); der Notendurchschnitt des Übertrittszeugnisses wird in den Amtlichen Schuldaten nicht erfasst (Drs. 18/29064); die Notenkombinationen im Probeunterricht gibt es nicht regional (Drs. 19/2741).
  • Beim Schulartwechsel liegen „Informationen über den genauen Zeitpunkt des Schulartwechsels“ nicht vor (Drs. 18/2581 und Folgeanfragen); Wechsel an die Berufliche Oberschule „liegen verfahrensbedingt nicht vor“ (Drs. 19/3242).
  • Bei den Wiederholern wird der Anteil der freiwilligen Wiederholungen nicht beziffert (Drs. 19/10988), und es wird nicht erhoben, ob ein freiwilliger Rücktritt vor oder nach der Versetzungsentscheidung erfolgt (Drs. 19/8227).
  • Hinter den Schulabschlüssen ist die Schullaufbahn nicht nachvollziehbar: „Belastbare Rückschlüsse darüber, welche allgemeinbildenden Schularten jene Absolventinnen und Absolventen … zuvor besucht hatten, lassen sich … nicht ziehen“ (Drs. 19/3166).
  • Kleine Zahlen werden gesperrt: Angaben unterbleiben, „wenn Rückschlüsse auf Einzelpersonen nicht ausgeschlossen werden können“ (so die Fußnote vieler Drucksachen, etwa Drs. 19/7948); die Zahl der Kinder mit Gymnasialeignung an Mittelschulen gibt es deshalb nicht je Kreis, eine Aufgliederung ist „aufgrund sehr geringer Fallzahlen an den Mittelschulen und damit verbundener Datenschutzbestimmungen nur für die Realschule möglich“ (Drs. 17/23220). In der Probeunterrichts-Erhebung werden zusätzlich „Werte kleiner 3“ gelöscht („u“) und weitere Werte gesperrt, damit sich nichts zurückrechnen lässt (Drs. 18/29034).

Selbst nachrechnen

Die Arbeitsmappe, aus der alle Seiten dieser Rubrik gespeist werden, können Sie herunterladen: Übertritt Landkreise, Datenwerkstatt (Excel, Stand 22.08.2026). Sie hat 38 Blätter: 34 Datenblätter mit den abgeschriebenen Zahlen (die meisten je Kreis, einige nur bayernweit), dazu „Drucksachen“ (welche Quelle welches Blatt speist und was sie verweigert), „Regeln“ mit allen Vorbehalten, „Inhalt“ und „Lies mich“ mit Stand und Fingerabdruck der Datei. Der Dateiname nennt den Stand der Fassung (22.08.2026); maßgeblich ist der Stand im Blatt „Lies mich“, wo auch ein Fingerabdruck steht, an dem sich zwei Kopien unterscheiden lassen. Wer daraus zitiert, sollte die Original-Drucksache mitzitieren; die Mappe ist eine Abschrift, keine amtliche Veröffentlichung. Fehler melden Sie bitte über die Kontaktseite, wir korrigieren und vermerken es.

Quellen: die auf den einzelnen Seiten genannten Drucksachen; die Zitate zu Auskunftsverweigerungen stammen aus den jeweils verlinkten Antworten. Arbeitsmappe: 42 Drucksachen, 38 Blätter, 18.914 Datenzeilen, 413 dokumentierte Vorbehalte, Selbstprüfung mit 22 automatischen Tests bei jedem Aufbau. Stand dieser Seite 22.08.2026.