Der Probeunterricht in Ihrer Region

Der Probeunterricht ist in ganz Bayern dieselbe Prüfung: Deutsch und Mathematik an drei Tagen (an der Realschule grundsätzlich drei), und die schriftlichen Aufgaben stellt je Schulart nicht die einzelne Schule, sondern das Land. Wie er ausgeht, hängt trotzdem davon ab, wo ein Kind ihn schreibt: Am Gymnasium der Stadt Ingolstadt bestanden über vier Jahrgänge 81 von 100 Teilnehmern, im Landkreis Erding 42 von 100, beide in Oberbayern.

Diese Seite zeigt, wie viele Kinder den Probeunterricht überhaupt versuchen, wie groß die Unterschiede beim Bestehen sind, wie lange es sie schon gibt und was als Erklärung übrig bleibt. Die Zahlen zum Probeunterricht kommen aus Antworten der Staatsregierung an den Landtag, die Vergleichsgrößen aus anderen amtlichen Statistiken; jede Fundstelle steht im Quellenblock. Datenstand: Bestehensquoten je Kreis 2017/18 bis 2020/21, Teilnahme je Regierungsbezirk 2011/12 bis 2022/23. Wie viele Kinder bayernweit bestehen, steht auf Erfolgschancen im Probeunterricht; wie die Prüfung abläuft, auf Probeunterricht.

„Bestanden“ heißt auf dieser Seite immer: mit Erfolg, also mit der Eignung für die gewählte Schulart. Kinder, die mit zweimal Note 4 nur auf Wunsch der Eltern aufgenommen werden, zählen nicht dazu.

Das Wichtigste in drei Sätzen

Zwischen den Kreisen liegen Welten. Über die vier Jahrgänge 2017/18 bis 2020/21 reicht die Bestehensquote am Gymnasium von 40,0 bis 81,3 Prozent und an der Realschule von 8,9 bis 58,0 Prozent; der niedrigste Realschulwert beruht auf drei Jahrgängen, einer ist gesperrt.

Das ist nicht der Zufall kleiner Zahlen. Auch nach Abzug des Zufalls liegen die Kreise an der Realschule typischerweise 8,1 Prozentpunkte über oder unter dem Landeswert, und Jahr für Jahr stehen fast dieselben Kreise oben und unten, vor Corona wie in den Corona-Jahrgängen.

Woran das liegt, sagen die Zahlen nur zum Teil. Wie viele Kinder die Eignung bekommen, wie viele übertreten, wie viel verdient wird, Stadt oder Land: Fast nichts davon erklärt es. Wer in die Prüfung geht, wissen wir nicht. Die deutlichste Spur ist das Schulnetz, und zwar nur an der Realschule: Wo sich viele Kinder wenige Realschulen teilen, also wenige Realschulen auf 1.000 Viertklässler kommen, wird der Probeunterricht der Realschule seltener bestanden. Am Gymnasium ist derselbe Zusammenhang nicht nachweisbar; dort erklärt keine der geprüften Größen, warum die Kreise so verschieden abschneiden.

Wie viele es überhaupt versuchen

Bevor es darum geht, wie der Probeunterricht ausgeht, die erste Frage: Wie viele Kinder versuchen ihn überhaupt? Auch da sind die Unterschiede zwischen den Regionen groß, und sie sind alt. Für die Regierungsbezirke reicht die Reihe zwölf Jahrgänge zurück; die Werte bis 2016/17 hat das Kultusministerium selbst ausgewiesen. Jede Linie ist ein Regierungsbezirk, zuerst beide Schularten zusammen, darunter getrennt:

Fahren Sie über eine Linie oder tippen Sie sie an, dann werden ihre Werte angezeigt.

Probeunterricht Gymnasium und Realschule zusammen

Anteil der Viertklässler, die in den Probeunterricht gehen, Gymnasium und Realschule zusammen, je Jahrgang. Bayern ist die kräftige Linie. Ø = Mittel der zwölf Jahrgänge; Beschriftung in der Reihenfolge des letzten Jahres.

Probeunterricht Gymnasium

Anteil der Viertklässler, die in den Probeunterricht des Gymnasiums gehen, je Jahrgang. Bayern ist die kräftige Linie. Ø = Mittel der zwölf Jahrgänge; Beschriftung in der Reihenfolge des letzten Jahres.

Probeunterricht Realschule

Anteil der Viertklässler, die in den Probeunterricht der Realschule gehen, je Jahrgang. Bayern ist die kräftige Linie. Ø = Mittel der zwölf Jahrgänge; Beschriftung in der Reihenfolge des letzten Jahres.

4. Klassen 2011/12 bis 2022/23 · 2011/12 bis 2016/17 gedruckte Anteile aus Drs. 17/22706 · 2017/18 bis 2022/23 eigene Rechnung aus den gedruckten Teilnehmer- und Viertklässlerzahlen der Drs. 18/29034, 19/2741 und 19/3064

Getrennt nach Schulart sieht man, woher die Unterschiede kommen. Am Gymnasium gehen überall nur ein bis drei Prozent der Viertklässler in den Probeunterricht; vorn liegt meist Oberfranken (in acht der zwölf Jahrgänge), Schwaben in allen zwölf hinten. An der Realschule führt Unterfranken in allen zwölf Jahrgängen, am Ende stehen Mittelfranken (siebenmal) und Schwaben (fünfmal). Schwabens niedrige Gesamtquote kommt also aus beiden Schularten, Unterfrankens hohe fast nur aus der Realschule.

Beide Schularten zusammen liegt Unterfranken in elf von zwölf Jahrgängen vorn, Schwaben in allen zwölf hinten. Man könnte erwarten: Wer wenige Kinder schickt, schickt die richtigen, und die bestehen dann öfter. Das Gegenteil ist der Fall. Schwaben schickt die wenigsten Kinder in die Prüfung und hat zugleich die niedrigste Bestehensquote am Gymnasium (50,7 Prozent im Mittel der Prüfungsjahre 2012 bis 2021, Oberpfalz 64,7; Drs. 17/22706 und 18/29064). Wie weit die Ergebnisse auseinanderliegen, zeigt das nächste Kapitel.

Dieselbe Prüfung, sehr verschiedene Ergebnisse

Die Schulordnung ist an dieser Stelle ungewöhnlich deutlich. Nicht die aufnehmende Schule denkt sich die Aufgaben aus, sondern das Land stellt sie für alle gleich:

„Die schriftlichen Aufgaben werden landeseinheitlich gestellt und von je zwei Fachlehrkräften benotet … Auch die mündlichen Leistungen werden benotet.“

§ 3 Abs. 4 GSO; für die Realschule sinngemäß § 3 Abs. 6 RSO (dort „von je zwei Lehrkräften des Fachs“; benachbarte Realschulen dürfen den Probeunterricht gemeinsam durchführen), jeweils in der Fassung auf gesetze-bayern.de

Die Aufgaben kommen vom Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung, und der Bewertungsschlüssel geht den Schulen zusammen mit den Aufgaben zu (Einzelheiten auf Nach welchen Regeln läuft der Probeunterricht?). Bewertet wird dann an der aufnehmenden Schule, von je zwei Lehrkräften des Fachs; benachbarte Realschulen dürfen den Probeunterricht gemeinsam durchführen.

Gymnasium

Wie weit die Ergebnisse trotzdem auseinanderliegen, zeigt zuerst ein Beispiel vom Gymnasium, zwei Kreise aus demselben Regierungsbezirk:

81,2 %

Stadt Ingolstadt

Bestanden im Probeunterricht des Gymnasiums: beide in Oberbayern, in denselben vier Jahrgängen, mit denselben Aufgaben.

42,4 %

Landkreis Erding

4. Klassen 2017/18 bis 2020/21 zusammengefasst · 177 von 218 bzw. 36 von 85 Teilnehmern · Drs. 18/29064 (bestanden) und Drs. 18/29034 (Teilnehmer) · Quote eigene Rechnung

Diese beiden Werte sind keine Ausreißer aus einer Handvoll Kinder: In Ingolstadt schrieben in diesen vier Jahren 218 Kinder den Gymnasial-Probeunterricht, im Landkreis Erding 85. Die Tabelle zeigt die drei Kreise an jedem Ende, Jahr für Jahr, mit dem bayernweiten Wert dazwischen:

Probeunterricht am Gymnasium: die drei höchsten und die drei niedrigsten Kreisquoten

Kreis2017/182018/192019/202020/21vier Jahrgänge
Eichstätt90,0 %76,9 %78,6 %76,5 %81,3 %
Stadt Ingolstadt78,2 %87,0 %83,0 %78,6 %81,2 %
Stadt Passau78,6 %69,2 %92,9 %69,6 %76,6 %
Bayern58,3 %62,5 %59,8 %57,5 %59,5 %
Ebersberg26,3 %72,7 %40,0 %50,0 %43,1 %
Erding36,8 %52,6 %43,3 %35,3 %42,4 %
Stadt Ansbach54,5 %23,1 %27,3 %80,0 %40,0 %

Ihr Landkreis im Vergleich: wählen Sie ihn aus, dann kommt seine Linie ins Bild.

Graue Linien: höchster und niedrigster Kreis im Jahrgang (Kreise ab 30 Teilnehmern). Gestrichelt: Bayern. Hohle Punkte: Jahrgänge, in denen im gewählten Kreis weniger als 30 Kinder teilgenommen haben.

Rang nur unter Kreisen mit mindestens 30 Teilnehmern in vier Jahrgängen · 4. Klassen 2017/18 bis 2020/21 · Drs. 18/29064 (bestanden) und Drs. 18/29034 (Teilnehmer) · Quote eigene Rechnung

Am Gymnasium schwanken die Jahreswerte allerdings stark, in der Stadt Ansbach zwischen 23 und 80 Prozent. Das liegt an den kleinen Gruppen: Dort schrieben in vier Jahren zusammen 40 Kinder, ein einzelnes Kind macht also 2,5 Prozentpunkte aus. Belastbar ist deshalb die Spalte ganz rechts, nicht die einzelne Jahreszahl.

Realschule

An der Realschule sind die Gruppen um ein Vielfaches größer, und der Abstand wird noch deutlicher:

57,2 %

Landkreis Passau

Bestanden im Probeunterricht der Realschule, wo die Prüfungsgruppen am größten sind.

9,4 %

Stadt Nürnberg

4. Klassen 2017/18 bis 2020/21 zusammengefasst · 195 von 341 bzw. 87 von 924 Teilnehmern · Drs. 18/29064 (bestanden) und Drs. 18/29034 (Teilnehmer) · Quote eigene Rechnung

Darunter die Jahrestabelle für die Realschule, wieder mit den drei höchsten und den drei niedrigsten Quoten:

Probeunterricht an der Realschule: die drei höchsten und die drei niedrigsten Kreisquoten

Kreis2017/182018/192019/202020/21vier Jahrgänge
Tirschenreuth40,0 %54,3 %65,7 %67,4 %58,0 %
Landkreis Passau47,5 %58,2 %60,0 %65,4 %57,2 %
Garmisch-Partenkirchen34,3 %35,8 %49,0 %35,0 %38,4 %
Bayern19,7 %23,6 %23,9 %24,3 %22,8 %
Dachau9,2 %7,1 %14,1 %9,2 %10,1 %
Stadt Nürnberg8,0 %10,6 %8,8 %10,9 %9,4 %
Landkreis Regensburg4,5 %12,1 %9,9 %8,9 %*

Ihr Landkreis im Vergleich: wählen Sie ihn aus, dann kommt seine Linie ins Bild.

Graue Linien: höchster und niedrigster Kreis im Jahrgang (Kreise ab 30 Teilnehmern). Gestrichelt: Bayern. Hohle Punkte: Jahrgänge, in denen im gewählten Kreis weniger als 30 Kinder teilgenommen haben.

Rang nur unter Kreisen mit mindestens 30 Teilnehmern in vier Jahrgängen · * Wert aus drei Jahrgängen, einer ist gesperrt · 4. Klassen 2017/18 bis 2020/21 · Drs. 18/29064 (bestanden) und Drs. 18/29034 (Teilnehmer) · Quote eigene Rechnung

Nürnberg liegt in vier aufeinanderfolgenden Jahrgängen zwischen 8,0 und 10,9 Prozent. Das ist keine Schwankung, sondern eine Konstante. Der Landkreis Passau liegt in denselben vier Jahrgängen nie unter 47 Prozent. Und beide Kreise sind groß: In Nürnberg schrieben in diesen vier Jahren 924 Kinder den Realschul-Probeunterricht, im Landkreis Passau 341.

Alle 96 Kreise auf einen Blick

Dasselbe Bild zeigt sich in ganz Bayern. Die Karte zeigt für jeden Landkreis und jede kreisfreie Stadt, welcher Anteil der Kinder den Probeunterricht bestanden hat, für die vier Jahrgänge zusammen. Über die Reiter lässt sich zwischen Gymnasium und Realschule wechseln. Ein Zeiger auf einen Kreis zeigt beide Werte und die Zahl der Teilnehmer, auf der sie beruhen; ein Klick öffnet die Tabellen weiter unten für diesen Kreis.

Gezählt wird nach dem Ort der aufnehmenden Schule, nicht nach dem Wohnort des Kindes. Die Karte sagt also nicht, wie gut die Kinder aus einem Kreis sind, sondern wie der Probeunterricht an den Schulen dieses Kreises ausgeht.

Schulart

4. Klassen 2017/18 bis 2020/21 zusammengefasst · bestandene Prüfungen: Drs. 18/29064, Tabellen 1 bis 5 zu den Fragen 1.3 und 2.3 · Teilnehmer: Drs. 18/29034, Tabellen zu den Fragen 3.1 und 4.1 · Bestehensquote eigene Rechnung aus beiden · Farbskala je Schulart über alle Zeiträume fest, damit sich die Ansichten vergleichen lassen.

Kreisgrenzen: © BKG (2026) dl-de/by-2-0 (Daten verändert), Datenquellen: datenquellen_vg_nuts.pdf. Datensatz: Verwaltungsgebiete 1:2 500 000 (VG2500), Stand 01.01.2026; verändert: Zuschnitt auf Bayern, vereinfachte Umrisslinien, für die Bildschirmdarstellung umgerechnet.

Das Muster folgt nicht der Grenze zwischen Stadt und Land, sondern der zwischen Ballungsraum und Fläche. An der Realschule liegen in Niederbayern 7 von 12 Kreisen im obersten Viertel, einer im untersten. Mittelfranken umgekehrt: 5 von 11 im untersten, keiner im obersten (gezählt sind Kreise ab 30 Teilnehmern). Die kreisfreien Städte als Ganzes unterscheiden sich dagegen kaum von den Landkreisen: 22,9 gegen 24,7 Prozent an der Realschule.

Wo die Karte „keine Angabe“ zeigt, hat der Landtag die Zahl aus Datenschutzgründen gesperrt; das sagt nichts darüber, wie der Kreis abgeschnitten hat (Einzelheiten im Quellenblock). Beim Gymnasium fehlen fünf Kreise, drei wegen Sperrung und zwei, weil sie kein Gymnasium haben; bei der Realschule fehlt keiner. Schraffiert ist ein Kreis, wenn sein Wert auf weniger als 30 Teilnehmern beruht; einen Rang bekommen nur Kreise ab 30 Teilnehmern, beim Gymnasium 73, bei der Realschule 93.

Alle 96 Kreise mit ihren Bestehensquoten, sortiert nach Rang, mit Zahl der Teilnehmer, der Jahrgänge und der Teilnahmequote.

Rang 1 ist die höchste Bestehensquote der gewählten Schulart, gleiche Werte bekommen denselben Rang. Einen Rang bekommen nur Kreise mit mindestens 30 Teilnehmern; kleinere Gruppen stehen rot und ohne Rang darunter, weil ihr Wert stark schwankt (Rot gilt je Spalte). „Teilnehmer“ und „Jahrgänge“ beziehen sich auf die gewählte Schulart; ein Strich steht, wo die Drucksache den Wert sperrt. „Teilnahme“ ist der Anteil der Viertklässler des Kreises im Probeunterricht der gewählten Schulart, mit einer Warnung: Die Teilnehmer werden dort gezählt, wo sie die Prüfung schreiben, die Viertklässler dort, wo sie zur Grundschule gehen; in Städten ist der Wert deshalb zu hoch, im Umland zu niedrig.

4. Klassen 2017/18 bis 2020/21, Schulart und Zeitraum über die Auswahl · bestandene Prüfungen: Drs. 18/29064, Tabellen 1 bis 5 zu den Fragen 1.3 und 2.3 · Teilnehmer: Drs. 18/29034, Tabellen zu den Fragen 3.1 und 4.1 · Bestehensquote, Rang und Zusammenfassung der Jahrgänge eigene Rechnung

Ist das nur der Zufall kleiner Zahlen?

Bis hierher zeigen Karte und Tabellen ein auffällig festes Bild: Dieselben Kreise liegen Jahr für Jahr oben, dieselben unten, und die Abstände sind groß. Die Frage ist, ob dieser Eindruck trügt. Denn die Zahlen kommen aus kleinen Gruppen.

Bei kleinen Gruppen entscheidet der Zufall mit. Schreiben in einem Kreis nur 30 Kinder den Probeunterricht, macht ein einziges Kind schon drei Prozentpunkte aus. Die Frage ist also: Sind die Unterschiede zwischen den Kreisen größer, als der Zufall sie machen würde? Die beiden Balken zeigen die Antwort; der farbige Teil ist das, was der Zufall nicht erklären kann:

Gymnasium

Der Balken teilt die Unterschiede zwischen den Kreisen in Varianz, dem Quadrat der Streuung: 31 % erklärt der Zufall kleiner Gruppen, 69 % (der farbige Teil) sind echte Unterschiede. In Prozentpunkten: Die Kreiswerte streuen um 9,0 Punkte um den bayernweiten Wert; wären alle Kreise in Wahrheit gleich gut, wären es durch den Zufall allein etwa 5,0. Als echte Streuung bleiben 7,5 Punkte.

Realschule

Der Balken teilt die Unterschiede zwischen den Kreisen in Varianz, dem Quadrat der Streuung: 10 % erklärt der Zufall kleiner Gruppen, 90 % (der farbige Teil) sind echte Unterschiede. In Prozentpunkten: Die Kreiswerte streuen um 8,5 Punkte um den bayernweiten Wert; wären alle Kreise in Wahrheit gleich gut, wären es durch den Zufall allein etwa 2,6. Als echte Streuung bleiben 8,1 Punkte.

4. Klassen 2017/18 bis 2020/21 · 73 bzw. 93 Kreise mit mindestens 30 auswertbaren Teilnehmern, davon 66 bzw. 82 mit allen vier Jahrgängen · Zerlegung der Streuung: eigene Rechnung · Drs. 18/29064 (bestanden) und Drs. 18/29034 (Teilnehmer) · Quote eigene Rechnung

Die Antwort ist ja. Wären alle Kreise in Wahrheit gleich gut, dürften ihre Quoten nur so weit auseinanderliegen, wie kleine Gruppen eben schwanken. Sie streuen an der Realschule gut dreimal so weit, am Gymnasium fast doppelt so weit; in Varianz gerechnet, dem Quadrat der Streuung, ist das das Zehnfache und das Dreifache. In Prozentpunkten: Nach Abzug des Zufalls bleiben an der Realschule typischerweise 8,1 Punkte Abstand zum Landeswert, am Gymnasium 7,5. 43 der 93 Realschul-Kreise liegen gesichert über oder unter Bayern, am Gymnasium 20 von 73.

Und die Unterschiede bleiben: An der Realschule liegen Jahr für Jahr weitgehend dieselben Kreise vorn und hinten (Übereinstimmung der Reihenfolge 0,48 bis 0,58; 1 wäre dieselbe Reihenfolge, 0 keine). Am Gymnasium sind die Gruppen dafür zu klein; von Jahr zu Jahr trägt dort nur das Gesamtbild.

Auch die Corona-Jahrgänge ändern am Muster nichts, obwohl sie mit den übrigen nur eingeschränkt vergleichbar sind. Fasst man je zwei Jahrgänge zusammen, stimmt die Reihenfolge der Kreise vor der Pandemie mit der in den Corona-Jahrgängen 2019/20 und 2020/21 zu 0,65 überein (Realschule, 82 Kreise; Gymnasium 0,51 bei 39 Kreisen). Die Werte liegen über denen von Jahr zu Jahr, weil Zweijahresmittel weniger schwanken.

Der Kern dieser Seite in einem Satz: Die Unterschiede zwischen den Kreisen sind echt, und sie bleiben.

Woran es nicht liegt

Naheliegend wäre, dass die Kreise unterschiedlich abschneiden, weil dort unterschiedliche Kinder antreten. Wo viele Kinder ohnehin gute Noten haben, müsste auch der Probeunterricht besser ausgehen; wo besonders viele es versuchen, müssten mehr scheitern.

Ob diese Vermutung zutrifft, und was sonst in Frage kommt, prüfen die folgenden Bilder, immer zwei nebeneinander: links das Gymnasium, rechts die Realschule. Jeder Punkt ist ein Kreis, also ein Landkreis oder eine kreisfreie Stadt. Waagerecht steht die geprüfte Größe, senkrecht der Anteil der Kinder, die den Probeunterricht bestanden haben. Über die Auswahl lässt sich der eigene Kreis in allen Bildern hervorheben.

Ihr Landkreis: wählen Sie ihn aus oder tippen Sie einen Punkt an, dann leuchtet er in allen Bildern auf, auch weiter unten.

Jeder Punkt ist ein Kreis (Landkreis oder kreisfreie Stadt). Die dünne Linie ist die Ausgleichsgerade; sie zeigt die Richtung des Zusammenhangs, seine Stärke steht als Zahl unter dem Bild.

1. Eignung und Übertritt

Gymnasium
3040506040506070Gymnasialeignung im Kreis (%)Übertritt ans Gymnasium (%)

Zusammenhang +0,77

Realschule
20304010,012,515,0Realschuleignung im Kreis (%)Übertritt an die Realschule (%)

Zusammenhang +0,44

Zur Einordnung zuerst ein Zusammenhang, der selbstverständlich ist: Wo mehr Kinder die Eignung bekommen, treten auch mehr über. So sieht ein starker Zusammenhang aus; daran lassen sich die folgenden Bilder messen.

 

2. Eignung und Bestehen im Probeunterricht

Gymnasium
40608040506070Gymnasialeignung im Kreis (%)bestanden im Probeunterrichtdes Gymnasiums (%)

Zusammenhang −0,16

Realschule
20406010,012,515,0Realschuleignung im Kreis (%)bestanden im Probeunterrichtder Realschule (%)

Zusammenhang +0,13

Beim Probeunterricht ist von diesem Zusammenhang nichts übrig: Aus der Eignungsquote eines Kreises lässt sich nicht ablesen, wie viele dort im Probeunterricht bestehen.

 

3. Einkommen

Gymnasium
40608075100125Verfügbares Einkommen je Einwohner (Bayern = 100)bestanden im Probeunterrichtdes Gymnasiums (%)

Zusammenhang −0,16

Realschule
20406075100125Verfügbares Einkommen je Einwohner (Bayern = 100)bestanden im Probeunterrichtder Realschule (%)

Zusammenhang −0,10

Auch das Einkommen im Kreis erklärt das Bestehen nicht, obwohl es beim Übertritt ans Gymnasium eine der stärksten Größen ist (+0,49 auf der Seite Was womit zusammenhängt).

 

4. Anteil der Schüler mit Migrationshintergrund

Gymnasium
40608010203040Anteil Schüler mit Migrationshintergrund (%)bestanden im Probeunterrichtdes Gymnasiums (%)

Zusammenhang −0,23

Realschule
20406010203040Anteil Schüler mit Migrationshintergrund (%)bestanden im Probeunterrichtder Realschule (%)

Zusammenhang −0,36

Wo der Anteil der Schüler mit Migrationshintergrund höher liegt, wird an der Realschule etwas seltener bestanden, am Gymnasium kaum. Der Anteil beschreibt die Schülerschaft des Kreises, nicht die Prüflinge, und er ist dort hoch, wo die Schulen voll sind; von der Spur weiter unten lässt er sich nicht sauber trennen (Zahlen im Quellenblock am Seitenende).

 

5. Andrang im Probeunterricht

Gymnasium
4060802,55,07,510,0Probeunterrichts-Teilnehmer je Gymnasium und Jahrbestanden im Probeunterrichtdes Gymnasiums (%)

Zusammenhang +0,17

Realschule
20406010203040Probeunterrichts-Teilnehmer je Realschule und Jahrbestanden im Probeunterrichtder Realschule (%)

Zusammenhang −0,15

Der Andrang im Probeunterricht selbst zeigt keinen Zusammenhang: Ob an den Schulen eines Kreises wenige oder viele Kinder zur Prüfung antreten, sagt über das Bestehen nichts.

 

6. Übertritt ans Gymnasium

Gymnasium
40608030405060Übertritt ans Gymnasium im Kreis (%)bestanden im Probeunterrichtdes Gymnasiums (%)

Zusammenhang −0,09

Realschule
20406030405060Übertritt ans Gymnasium im Kreis (%)bestanden im Probeunterrichtder Realschule (%)

Zusammenhang −0,30

Bleibt der eine Zusammenhang über die Schularten hinweg: Wo viele Kinder ans Gymnasium übertreten, wird der Probeunterricht an der Realschule seltener bestanden, der am Gymnasium nicht. Denkbar wäre, dass dort eine andere Gruppe im Probeunterricht der Realschule ankommt; die Zahlen zeigen den Zusammenhang, nicht seinen Grund.

 

4. Klassen 2017/18 bis 2020/21 · Drs. 18/29064 (bestanden) und Drs. 18/29034 (Teilnehmer) · Quote eigene Rechnung · übrige Größen: Fundstellen im Quellenblock · Zusammenhänge eigene Rechnung

Die einfachste Erklärung trägt damit nicht: Dass die Kreise sich in Eignung, Einkommen oder Lage unterscheiden, erklärt es jedenfalls nicht. Beim Übertritt erklären genau diese Größen viel (Seite Was womit zusammenhängt), beim Probeunterricht nichts. Ob sich die Prüflinge selbst unterscheiden, bleibt offen; dazu gibt es keine Zahlen. Und wo mehr Kinder antreten, wird nicht weniger bestanden, sondern eher mehr (für Stadt und Umland zusammen gerechnet, dazu das nächste Kapitel: Realschule +0,43, Gymnasium +0,40, beides nicht gesichert).

Auch alle zusammen erklären nur einen Teil. Rechnet man sieben Kreismerkmale gleichzeitig (Eignung und Übertritt beider Schularten, Größe der Gymnasien und Realschulen, Migrationsanteil), erklären sie an der Realschule 37 Prozent der Unterschiede, am Gymnasium 23; zieht man ab, was so viele Größen bei so wenigen Kreisen schon durch Zufall erklären, bleiben 32 und 15. Rund 68 beziehungsweise 85 Prozent der Unterschiede bleiben ohne Erklärung.

Eine Spur: das Schulnetz

Bleibt eine Spur. Am ehesten hängt das Bestehen an der Realschule daran, wie dicht und wie voll die Schulen stehen: Schuldichte +0,37, Größe der Schulen −0,33, dazu der Anteil der Schüler mit Migrationshintergrund −0,36. Jeder dieser Zusammenhänge erklärt für sich gut ein Zehntel der Kreisunterschiede. Keiner erklärt, warum in einem Kreis 12 Prozent der Kinder den Probeunterricht der Realschule bestehen und in einem anderen 40 Prozent.

Die Vermutung: volle Schulen

Vielleicht bestehen mehr Kinder dort, wo die Schulen Platz haben, also mehr Räume und Klassen in der fünften Klasse, als jedes Jahr gefüllt werden. Wie viele Plätze eine Schule hat und wie viele belegt sind, weist keine amtliche Statistik aus. Messen lässt sich nur, was das Landesamt zählt: wie viele Schulen es gibt und wie groß sie sind. Das nächste Bild zeigt die Größe:

Jeder Punkt ist ein Kreis. Die Kreiswahl von oben gilt weiter.

7. Größe der Schulen

Gymnasium
40608050075010001250Schüler je Gymnasium im Kreisbestanden im Probeunterrichtdes Gymnasiums (%)

Zusammenhang −0,27

Realschule
2040605007501000Schüler je Realschule im Kreisbestanden im Probeunterrichtder Realschule (%)

Zusammenhang −0,33

Wo die Schulen groß sind, wird seltener bestanden. Das ist im Kern der Befund der Karte: Ballungsraum gegen Fläche.

 

4. Klassen 2017/18 bis 2020/21 · Drs. 18/29064 (bestanden) und Drs. 18/29034 (Teilnehmer) · Quote eigene Rechnung · übrige Größen: Fundstellen im Quellenblock · Zusammenhänge eigene Rechnung

Stadt und Umland zusammen: die 18 Regionen

Auch die zweite Größe, die Zahl der Realschulen je 1.000 Viertklässler, hängt je Kreis nur schwach mit dem Bestehen zusammen (+0,37). Man könnte die Spur hier für schwach halten und aufhören. Aber je Kreis gerechnet stimmt die Zahl der Schulen je Kind gar nicht, und zwar aus einem einfachen Grund:

Die Schulen stehen in der Stadt, die Kinder wohnen oft im Umland. Wer im Landkreis Würzburg zur Grundschule geht, schreibt den Probeunterricht meist in der Stadt Würzburg. Rechnet man je Kreis, sieht die Stadt aus, als hätte sie zu viele Schulen, und der Landkreis, als hätte er fast keine. Beides stimmt nicht.

Die Zahlen zeigen es: Die Stadt Würzburg hat je 1.000 eigene Viertklässler 6,2 Realschulen, der Landkreis 1,5. Zusammen sind es 5,0, und das ist die Zahl, die für die Kinder zählt. Eine Region ist deshalb eine Stadt mit dem Umland, aus dem ihre Schüler kommen.

Die Karte zeigt die 18 Regionen und ihre Kreise. Tippen Sie einen Kreis an, dann sehen Sie, wozu er gehört.

UntermainWürzburgMain-RhönOberfranken-WestOberfranken-OstOberpfalz-NordNürnbergWestmittelfrankenAugsburgIngolstadtRegensburgDonau-WaldLandshutMünchenDonau-IllerAllgäuOberlandSüdostoberbayern

Zeiger oder Tipp auf einen Kreis: Er zeigt die Region und ihre Kreise.

Welche Kreise zu welcher Region gehören (Liste)
  • Untermain (amtlich Bayerischer Untermain): Aschaffenburg, Stadt, Aschaffenburg, Land, Miltenberg
  • Würzburg: Würzburg, Stadt, Würzburg, Land, Kitzingen, Main-Spessart
  • Main-Rhön: Schweinfurt, Stadt, Schweinfurt, Land, Bad Kissingen, Rhön-Grabfeld, Haßberge
  • Oberfranken-West: Bamberg, Stadt, Bamberg, Land, Coburg, Stadt, Coburg, Land, Forchheim, Kronach, Lichtenfels
  • Oberfranken-Ost: Bayreuth, Stadt, Bayreuth, Land, Hof, Stadt, Hof, Land, Kulmbach, Wunsiedel i. Fichtelgebirge
  • Oberpfalz-Nord: Amberg, Stadt, Amberg-Sulzbach, Weiden i. d. OPf., Stadt, Neustadt a. d. Waldnaab, Tirschenreuth, Schwandorf
  • Nürnberg (amtlich Industrieregion Mittelfranken): Nürnberg, Stadt, Fürth, Stadt, Erlangen, Stadt, Schwabach, Stadt, Erlangen-Höchstadt, Fürth, Land, Nürnberger Land, Roth
  • Westmittelfranken: Ansbach, Stadt, Ansbach, Land, Neustadt a. d. Aisch-Bad Windsheim, Weißenburg-Gunzenhausen
  • Augsburg: Augsburg, Stadt, Augsburg, Land, Aichach-Friedberg, Dillingen a. d. Donau, Donau-Ries
  • Ingolstadt: Ingolstadt, Stadt, Eichstätt, Neuburg-Schrobenhausen, Pfaffenhofen a. d. Ilm
  • Regensburg: Regensburg, Stadt, Regensburg, Land, Cham, Neumarkt i. d. OPf., Kelheim
  • Donau-Wald: Straubing, Stadt, Straubing-Bogen, Deggendorf, Freyung-Grafenau, Passau, Stadt, Passau, Land, Regen
  • Landshut: Landshut, Stadt, Landshut, Land, Dingolfing-Landau, Rottal-Inn
  • München: München, Stadt, München, Land, Dachau, Ebersberg, Erding, Freising, Fürstenfeldbruck, Landsberg a. Lech, Starnberg
  • Donau-Iller: Neu-Ulm, Günzburg, Memmingen, Stadt, Unterallgäu
  • Allgäu: Kempten (Allgäu), Stadt, Kaufbeuren, Stadt, Lindau (Bodensee), Oberallgäu, Ostallgäu
  • Oberland: Bad Tölz-Wolfratshausen, Garmisch-Partenkirchen, Miesbach, Weilheim-Schongau
  • Südostoberbayern: Rosenheim, Stadt, Rosenheim, Land, Altötting, Berchtesgadener Land, Mühldorf a. Inn, Traunstein

Kreisgrenzen: © BKG (2026) dl-de/by-2-0 (Daten verändert), Datenquellen: datenquellen_vg_nuts.pdf. Datensatz: Verwaltungsgebiete 1:2 500 000 (VG2500), Stand 01.01.2026; verändert: Zuschnitt auf Bayern, vereinfachte Umrisslinien, für die Bildschirmdarstellung umgerechnet.

Diese Einteilung haben wir nicht erfunden. Sie ist amtlich: Das Landesentwicklungsprogramm teilt Bayern seit 1973 in diese 18 Planungsregionen, und auch das Kultusministerium ordnet die Kreise so, wenn es Schulen vergleicht (Drs. 18/17518). Die Namen stammen von dort: meist die größte Stadt, sonst die Landschaft. Donau-Wald zum Beispiel liegt zwischen Donau und Bayerischem Wald, um Straubing, Deggendorf und Passau. Zwei Namen kürzen wir ab: Industrieregion Mittelfranken heißt hier Nürnberg, Bayerischer Untermain heißt Untermain. Kelheim, amtlich von der Regionsgrenze durchschnitten, zählt ganz zu Regensburg, wohin der größere Teil gehört.

Dieselben Zahlen also noch einmal, in jedem Bild links je Kreis und rechts je Region: zuerst das Gymnasium, darunter die Realschule. Bei der Realschule liegen die Punkte rechts deutlich näher an der Linie:

In den Bildern 8 und 9 ist links jeder Punkt ein Kreis, rechts eine Region. Die Kreiswahl von oben gilt weiter.

8. Schuldichte des Gymnasiums: je Kreis und je Region

je Kreis (73 Kreise)
40608051015Gymnasien je 1.000 Viertklässlerbestanden im Probeunterrichtdes Gymnasiums (%)

Zusammenhang +0,09

je Region (18 Regionen)
50607080345UntermainWürzburgMain-RhönOberfranken-WestOberfranken-OstOberpfalz-NordNürnbergWestmittelfrankenAugsburgIngolstadtRegensburgDonau-WaldLandshutMünchenDonau-IllerAllgäuOberlandSüdostoberbayernGymnasien je 1.000 Viertklässlerbestanden im Probeunterrichtdes Gymnasiums (%)

Zusammenhang +0,23

Am Gymnasium ist nichts zu sehen: weder je Kreis (+0,09) noch je Region (+0,23) hängt das Bestehen an der Zahl der Schulen. Auch das Zusammenfassen zu Regionen ändert daran nichts. Das nächste Bild zeigt dieselbe Rechnung für die Realschule.

 

9. Schuldichte der Realschule: je Kreis und je Region

je Kreis (93 Kreise)
2040602,55,07,5Realschulen je 1.000 Viertklässlerbestanden im Probeunterrichtder Realschule (%)

Zusammenhang +0,37

je Region (18 Regionen)
203040345UntermainWürzburgMain-RhönOberfranken-WestOberfranken-OstOberpfalz-NordNürnbergWestmittelfrankenAugsburgIngolstadtRegensburgDonau-WaldLandshutMünchenDonau-IllerAllgäuOberlandSüdostoberbayernRealschulen je 1.000 Viertklässlerbestanden im Probeunterrichtder Realschule (%)

Zusammenhang +0,68

Links jeder Kreis, rechts jede Region. Je Kreis ist der Zusammenhang +0,37, je Region +0,68, der stärkste dieser Seite und statistisch gesichert. Ein Teil des Anstiegs kommt schon vom Zusammenfassen selbst; alle Prüfungen dazu stehen auf der Seite Wie diese Zahlen gerechnet und geprüft sind. Wo sich viele Kinder wenige Realschulen teilen, wird seltener bestanden.

 

10. Plätze in Reichweite: 15 Kilometer statt Kreisgrenze

Gymnasium
4060800,30,40,5

Zusammenhang −0,06

Realschule
20400,20,30,4

Zusammenhang +0,47

Nicht je Kreis gezählt, sondern um jede Grundschule ein Umkreis von 15 Kilometern: alle Plätze darin, geteilt durch alle Kinder darin. An der Realschule ist das der stärkste Zusammenhang der ganzen Seite: Je Kreis steigt er damit von +0,37 (Bild 9 links) auf +0,47, ohne dass etwas zu Regionen zusammengefasst wird. Am Gymnasium bleibt es bei nichts.

 

4. Klassen 2017/18 bis 2020/21 · Drs. 18/29064 (bestanden) und Drs. 18/29034 (Teilnehmer) · Quote eigene Rechnung · übrige Größen: Fundstellen im Quellenblock · Zusammenhänge eigene Rechnung · Schulstandorte für Bild 10: Schulsuche des Kultusministeriums, abgerufen am 4.9.2026, mit Koordinaten aus dem BLLV-Schulverzeichnis (CC0)

In Bild 9 rechts steht Nürnberg ganz links unten. Die Stadt mit ihrem Umland hat je 1.000 Viertklässler 2,5 Realschulen, Bayern 3,5, und die Schulen sind größer als im Landesschnitt. Zugleich bestehen dort die wenigsten: an der Realschule 9,4 Prozent in der Stadt, der zweitniedrigste Wert in Bayern, am Gymnasium 51 gegen 59 Prozent landesweit.

Die Gegenprobe je Region bestätigt das Bild. In Nürnberg und München kommen auf 1.000 Viertklässler nur 2,5 und 2,8 Realschulen, in Bayern 3,5, und dort bestehen die wenigsten: 15,7 und 17,2 Prozent gegenüber 22,8 Prozent landesweit. In Würzburg und im Donau-Wald sind es 5,0 und 4,4 Realschulen, und dort bestehen die meisten, 29,1 und 39,5 Prozent. Über alle 18 Regionen ist der Zusammenhang +0,68 (Bild 9 rechts). Mehr Schulen heißen dabei nicht mehr Realschüler: Je Viertklässler besuchen in Nürnberg und München 1,66 Kinder eine Realschule, in Bayern 1,99; das misst die Schulwahl, nicht das Angebot. Ein Teil davon ist der Großstadteffekt: In den großen Städten ist auch der Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund hoch; rechnet man ihn heraus, bleiben +0,49. Am Gymnasium zählt die Zahl der Schulen nicht (je Region +0,23); dort gehen große Schulen und volle Klassen mit niedrigeren Quoten einher (−0,37 und −0,41, siehe Tabelle unten). Bei 18 Regionen ist das ein Hinweis, kein Beweis.

Dass die Regionen die Schülerströme wirklich einfangen, ist geprüft: Unterm Strich behält jede Region fast genau die Übertrittskinder, die sie hat (0,94 bis 1,07 von 1). Wie das gerechnet ist, mit den Zahlen für jeden Kreis, steht auf der eigenen Seite Wie diese Zahlen gerechnet und geprüft sind.

Damit ist die Vermutung vom Anfang wieder da: Wo sich viele Kinder wenige Schulen teilen, könnte strenger geprüft werden. Möglich wäre es: Die Aufgaben stellt das Land, benotet wird aber vor Ort, schriftlich von zwei Lehrkräften des Fachs, mündlich ohnehin (§ 3 Abs. 4 GSO, § 3 Abs. 6 RSO). Einheitliche Aufgaben und Doppelkorrektur sollen das gleichmäßig halten. Ob sie es überall tun, lässt sich mit diesen Zahlen nicht prüfen; beweisen lässt sich der Verdacht nicht.

Die Frage, die daraus folgt, müsste eigens untersucht werden: Wie viele Plätze hat eine Region in der fünften Klasse, und wie viele davon sind jedes Jahr belegt? Landesweite Zahlen dazu gibt es nicht. Denkbar wäre auch das Gegenteil, dass in vollen Ballungsräumen andere Kinder antreten. Die Teilnahmequoten sprechen eher dagegen: Wo mehr antreten, wird eher mehr bestanden, nicht weniger.

Sollte sich der Verdacht bestätigen, wäre das mehr als eine statistische Merkwürdigkeit. Der Probeunterricht ist überall dieselbe Prüfung, und Chancengleichheit heißt: Ein Kind mit derselben Leistung hat überall dieselbe Chance, ob die Schulen seiner Region voll sind oder leer. Ob das eingehalten wird, lässt sich erst sagen, wenn die Zahlen zu Plätzen und Belegung auf dem Tisch liegen.

Woran es sonst liegen könnte, sagen die Zahlen nicht. Denkbar ist vieles: dass es an der einzelnen Schule liegt (in einem Kreis mit einem einzigen Gymnasium ist „Unterschied zwischen den Kreisen“ nichts anderes als Unterschied zwischen Schulen), dass anders bewertet wird, dass andere Kinder antreten, dass volle Schulen anders prüfen als leere. Belegen lässt sich davon nichts, und behauptet wird hier nichts.

Alle geprüften Größen in einer Tabelle, je Kreis und je Region nebeneinander:

Die Bilder als Tabelle: Zusammenhang mit dem Bestehen im Probeunterricht, je Kreis und je Region

→ Die Tabelle lässt sich zur Seite wischen.

GrößeGymnasiumRealschule
je Kreis (73)je Region (18)je Kreis (93)je Region (18)
Eignung und Bestehen im Probeunterricht−0,16+0,13
Einkommen−0,16−0,10
Anteil der Schüler mit Migrationshintergrund−0,23−0,36
Andrang im Probeunterricht+0,17−0,15
Übertritt ans Gymnasium−0,09−0,30
Schuldichte (Schulen je 1.000 Viertklässler)+0,09+0,23+0,37+0,68
Größe der Schulen−0,27−0,37−0,33−0,42
Klassengröße−0,19−0,41−0,23−0,50
Belegte Schulplätze je Kind*−0,02−0,07+0,20+0,55
Teilnahmequote**+0,40+0,43

Angegeben ist der Zusammenhang der jeweiligen Größe mit der Bestehensquote im Probeunterricht (nur „mit Erfolg“), Korrelationskoeffizient nach Pearson: einmal über die Kreise (Gymnasium 73, Realschule 93 Kreise ab 30 Teilnehmern), einmal über die 18 Planungsregionen. +1 hieße: geht die eine Größe hoch, geht die andere immer mit hoch; 0 heißt: kein geradliniger Zusammenhang. Fett stehen Werte ab 0,30. Ein Strich heißt: auf dieser Ebene nicht gerechnet. „Eignung“ ist in der Gymnasiumsspalte die Gymnasialeignung, in der Realschulspalte die Realschuleignung; „Größe der Schulen“ die Schülerzahl je Gymnasium bzw. je Realschule; „Klassengröße“ die Schüler je Klasse der Schulart; „belegte Schulplätze je Kind“ alle Schüler der Schulart geteilt durch die Viertklässler eines Jahrgangs; „Andrang“ die Probeunterrichts-Teilnehmer je Schule und Jahr. * Die belegten Plätze je Kind messen Schulwahl, nicht Angebot: Sie decken sich fast mit der Realschul-Übertrittsquote der Region; nach deren Abzug bleibt +0,12. ** Die Teilnahmequote ist je Kreis durch Pendler verzerrt und wird deshalb nur je Region gerechnet; ein positiver Wert heißt: Wo mehr antreten, wird eher mehr bestanden, nicht weniger. Alle Prüfungen der Regionswerte stehen auf der Seite Wie diese Zahlen gerechnet und geprüft sind.

Was die Zahlen zeigen, und was nicht

Die Zahlen zeigen, dass der Ausgang des Probeunterrichts regional sehr verschieden ist, dass diese Unterschiede weit über den Zufall hinausgehen und dass sie über vier Jahrgänge je Kreis und über zehn Prüfungsjahre je Regierungsbezirk in dieselbe Richtung weisen. Sie zeigen nicht, woran das liegt. Und über ein einzelnes Kind sagen sie nichts: Aus einer niedrigen Quote im eigenen Kreis folgt für die eigene Prüfung nichts.

Zwei Grenzen dieser Zahlen sind wichtig. Erstens zählen diese Tabellen Prüfungsergebnisse, nicht Aufnahmen: Wer besteht oder mit zweimal der Note 4 aufgenommen werden darf, muss die Schule nicht tatsächlich besuchen. Das Ministerium sagt dazu, es könne „nicht angegeben werden, wie viele Schülerinnen und Schüler im Vorfeld ihres Übertritts den Probeunterricht bestanden bzw. dort die Noten 4/4 (Elternwille) erreichten“ (Drs. 18/29064).

Zweitens ist die Teilnahmequote je Kreis mit Vorsicht zu lesen. Die Teilnehmer werden dort gezählt, wo sie die Prüfung schreiben, die Viertklässler dort, wo sie zur Grundschule gehen. Eine Stadt mit vielen weiterführenden Schulen bekommt so eine zu hohe Quote, ihr Umland eine zu niedrige: Stadt Coburg 15,3 Prozent, Landkreis Coburg 1,9. Das Ministerium warnt selbst vor „erheblichen Verzerrungen“ durch Pendelbewegungen (Drs. 18/9448). Die Bestehensquote hat dieses Problem nicht. Für Regierungsbezirke und Planungsregionen ist die Teilnahmequote deutlich weniger verzerrt; ein Rest bleibt möglich, wo Kinder Regions- oder Landesgrenzen überschreiten.

Lesen Sie weiter

Erfolgschancen im Probeunterricht: wie viele Kinder bestehen und wie es ihnen danach ergeht
Vorbereitung auf den Probeunterricht: mit den Original-Prüfungen üben
Eignungszahlen: welche Eignung im Übertrittszeugnis steht
Was womit zusammenhängt: womit die Kreisunterschiede beim Übertritt sonst zusammenhängen
Alle Zahlen zum Übertritt: die Übersicht.

Quellen: Antworten der Staatsregierung auf Schriftliche Anfragen im Bayerischen Landtag:

  • Drs. 18/29034 (Antwort vom 12.05.2023; Tabellen zu den Fragen 3.1 und 4.1: Teilnehmende am Probeunterricht je Kreis, Prüfungsjahre 2018 bis 2022)
  • Drs. 18/29064 (Antwort vom 16.05.2023; Tabellen 1 bis 5 zu den Fragen 1.3 und 2.3: Teilnehmende „mit Erfolg“ und „mit den Noten 4/4“ je Region, Prüfungsjahre 2017 bis 2021; Tabelle zu den Fragen 1.1 und 2.1: direkte Übertritte aus Jahrgangsstufe 4 je Kreis, gezählt am Standort der aufnehmenden Schule)
  • Drs. 19/2741 (Antwort vom 05.07.2024; Prüfungsjahr 2023)
  • Drs. 17/22706 (Antwort vom 05.06.2018; Teilnehmer, Bestandene, Aufnahmen nach zweimal Note 4 und die gedruckten Anteile je Regierungsbezirk, Prüfungsjahre 2012 bis 2017)
  • Drs. 19/3064 (Antwort vom 12.08.2024; Zahl der Viertklässler je Region)
  • Drs. 18/9448 (Antwort vom 04.08.2020; Hinweis auf die Verzerrung durch Pendelbewegungen)
  • Eignungs- und Übertrittsquoten je Kreis für den Vergleich im Abschnitt „Woran es nicht liegt“: Drs. 18/3249, Drs. 18/9446, Drs. 18/16091 und Drs. 18/23567
  • Bestehensquoten je Regierungsbezirk über die zehn Prüfungsjahre 2012 bis 2021: Drs. 17/22706 (2012 bis 2017) und Drs. 18/29064 (2017 bis 2021), eigene Zusammenführung
  • Schulen und Schülerzahlen je Kreis für die durchschnittliche Schulgröße: Statistische Berichte des Bayerischen Landesamts für Statistik, Reihe B1/B0100C (Schuljahre 2017/18 bis 2020/21)
  • Anteil der Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund je Kreis: Drs. 19/4396 (verwendet: Schuljahre 2017/18 bis 2020/21)
  • Verfügbares Einkommen der privaten Haushalte je Einwohner und Kreis: Arbeitskreis „Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen der Länder“, Kreisergebnisse, Berichtsjahr 2015; verwendet als Index, Bayern = 100
  • Abgrenzung der 18 Planungsregionen: Anhang 4 (zu 2.4) der Verordnung über das Landesentwicklungsprogramm Bayern (LEP) vom 22.08.2013, GVBl. S. 550, auf gesetze-bayern.de; dieselbe Zuordnung der Kreise verwendet Drs. 18/17518
  • Wohnorte der Schüler an Münchner Realschulen und Gymnasien 2019/20: Statistisches Amt der Landeshauptstadt München, Münchner Statistik, 1. Quartalsheft 2022, Bildungswesen, Tabelle 2 (Datenquelle: Bayerisches Landesamt für Statistik)
  • § 3 Abs. 4 und Abs. 5 GSO, § 3 Abs. 6 und Abs. 7 RSO, § 2 Abs. 4 GSO und RSO in der aktuellen Fassung auf www.gesetze-bayern.de

Eigene Berechnungen und Vorbehalte: Die Bestehensquote je Kreis ist eine eigene Rechnung: bestandene Prüfungen aus Drs. 18/29064 geteilt durch Teilnehmer aus Drs. 18/29034, für die vier Jahrgänge, in denen beide Drucksachen Kreiswerte ausweisen. Gesperrte Werte sind nicht zurückgerechnet: Die Drucksache sperrt sehr kleine Werte und zusätzlich einzelne Nachbarwerte, „damit keine Rückrechnung der gelöschten Werte … möglich ist“ (Drs. 18/29034, Fußnote zu den Fragen 3.1 bis 4.3); ein fehlender Wert sagt nichts über das Abschneiden des Kreises. Ist ein Jahrgang eines Kreises gesperrt, wird die Quote aus den übrigen Jahrgängen gebildet; die Bestenliste kennzeichnet sie mit Stern, die Kreistabelle rot in der Spalte „Jahrgänge“, das Liniendiagramm vermerkt „3 von vier Jahrgängen“. Kreise ohne einen einzigen offenen Jahrgang bleiben ohne Quote. Die Drucksachen beschriften mit dem Prüfungsjahr; diese Seite nennt das Schuljahr der 4. Klasse (Prüfungsjahr 2023 = 4. Klasse 2022/23). Die Jahrgänge 2019/20 und 2020/21 sind Corona-Jahrgänge und mit den übrigen nur eingeschränkt vergleichbar. „Gesichert“ heißt auf dieser Seite: zweiseitig auf dem 5-Prozent-Niveau, ohne Korrektur für die Zahl der geprüften Größen; die Zusammenhänge sind erkundend gerechnet, nicht vorab festgelegt. „Gesichert über oder unter dem Landeswert“ heißt: Der Kreiswert weicht um mehr als 1,96 Standardfehler (Binomialnäherung) vom bayernweiten Wert ab. Alle Korrelationen sind ungewichtet, ein Kreis mit 30 Teilnehmern zählt darin so viel wie einer mit 900. Alle Quoten, Streuungen und Zusammenhänge sind eigene Rechnungen; Rohdaten, Skripte und Ergebnisse stehen als Audit-Paket zum Herunterladen bereit (ZIP, 0,5 MB). Wie die Bestehensquote gegengeprüft wurde, wie die 18 Regionen zustande kommen, welche weiteren Prüfungen es dazu gibt (andere Zuschnitte, Zufallsgruppen, Kohortenindex je Kreis, p-Werte, Regression) und wie stark der Zufall kleiner Gruppen die Kreiswerte verdünnt, steht mit allen Zahlen auf der Seite Wie diese Zahlen gerechnet und geprüft sind. Zuletzt überarbeitet: 04.09.2026.

Grundlage ist eine eigene Zusammenstellung aus 48 Landtagsdrucksachen zum Übertritt und seinen Folgen; für diese Seite sind die oben genannten maßgeblich.

Rechtlicher Hinweis: Diese Seite wertet amtliche Zahlen aus und ordnet sie aus unserer Sicht ein. Sie enthält keine individuelle rechtliche Prüfung oder Handlungsempfehlung; konkrete Fälle werden auf dieser Seite nicht beurteilt. Trotz sorgfältiger Prüfung können die Angaben Fehler enthalten; bitte prüfen Sie die genannten Quellen selbst.

Inhalt zuletzt aktualisiert: 5. September 2026